Die Materialpalette der Hochleistungsthermoplaste wächst

Die Materialpalette der Hochleistungsthermoplaste wächst

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Bildquelle: Ralph Riquier

In diesem Jahr wurde die Werkstoffpalette der Hochleistungsthermoplaste um einen weiteren Werkstoff ergänzt: Ultraire AKP (Aryl-Keton-Polymer), Solvay Dental 360. Dieser Artikel gibt eine kurzen Überblick und eine Einordnung.

Autorinnen: Bogna Stawarczyk, Marlis Eichberger, Annett Kieschnick, Nina Lümkemann

Hochleistungsthermoplaste werden seit einigen Jahren in der prothetischen Zahnmedizin eingesetzt. Die Indikationsbereiche von PEEK (Polyetheretherketone)- und PEKK (Polyetherketonketon)- Werkstoffen liegen bei festsitzendem sowie herausnehmbarem Zahnersatz.

Grafik
Grafische Übersicht Hochleistungsthermoplaste (*PEEK: Herstellerangaben bredent, PEKK: Herstellerangaben Cendres Metaux, AKP: Herstellerangaben Solvay)

 

Aufgrund des guten Rückstellvermögens wurde AKP speziell für herausnehmbare Teilprothesen entwickelt.

Klammergestaltung bei Teilprothesen

Mit kurzen, stabilen Klammern und dem E-Modul von AKP werden sehr gute Retentionsstabilitäten erreicht. Die Klammern für Teilprothesen aus AKP sollten laut Herstellerempfehlung wesentlich stabiler (voluminöser) als gewöhnlich, jedoch kürzer gestaltet werden (Abb. 1). Die zuverlässigen Ergebnisse wurden bereits innerhalb einer derzeit noch laufenden klinischen Studie an der Universität Leeds in England bestätigt.

Verbundfestigkeit

An der LMU München befassten wir uns mit den Verbundfestigkeiten. Untersucht wurde in drei ausführlichen Studien der Verbund zum Prothesenkunststoff sowie Verblendkomposit. Zusammenfassend konnte beobachtet werden, dass ein Opaquer den Verbund definitiv verstärkt. Vor der Verblendung mit einem Komposit sollte unbedingt ein Adhäsivsystem benutzt werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden derzeit international publiziert.

Folgende Vorbehandlungsempfehlungen ergeben sich aus den Untersuchungen

Verbund mit PMMA-Prothesenkunststoff

  • AKP-Oberfläche bei 50 µm mit Al2O3, 2 bar in 45° Winkel Korundstrahlen
  • Auftragen von rosafarbenen Opaquer
  • Aufbringen von PMMA-Kunststoff (analog zum Vorgehen beim CoCrMo-Teilprothesen)

Verbund mit Verblendkomposite

  • AKP-Oberfläche bei 50 µm mit Al2O3, 2 bar in 45° Winkel Korundstrahlen
  • Verwenden von Adhäsivsystemen, z. B. visio.link (bredent) oder Universaladhäsive wie Adhese Universal (Ivoclar Vivadent), Allbond Universal (Bisco) oder Scotchbond Universal (3M)
  • Auftragen von Opaquer
  • Verblenden mit Komposit. Verblendkomposite mit geringerer Viskosität (flowable) zeigen höhere Verbundfestigkeiten als pastöse Komposite)

 

Teilprothesen aus AKP. Besonderes Augenmerk ist auf die Gestaltung der Klammer zu legen. (Bilder: Ralph Riquier)