Der 1. Expertise-Zahntechnik Kongress

Der 1. Expertise-Zahntechnik Kongress

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Am 9. und 10. September 2016 fand der 1. Expertise-Zahntechnik Kongress statt. Mehr als 250 Fachbesucher sind der Einladung nach Kornwestheim gefolgt und haben das erstklassige Kongressprogramm erlebt. Die Organisatoren waren fünf zahntechnische Fachgesellschaften, die unter dem Dach der FZT (Fachgesellschaft für Zahntechnik) ihre Kräfte bündeln.

  • dental excellence network
  • FDZt (Fachgesellschaft für digitale Zahntechnik)
  • VFDTz (Verein zur Förderung der digitalen Zahntechnik)
  • EADT (European Association of Dental Technology)
  • Forum Zahntechnikerinnen des Dentista e.V.

Wir haben den Programmteil „Praxis und Wissenschaft“ gestaltet.

Auszüge aus unseren Vorträgen:

Materialkunde: Klebeverbindungen

Kunz_Stawar (3 von 1)ZTM Andreas Kunz und PD Dr. Bogna Stawarczyk hielten einen Teamvortrag. „Wir Zahntechniker müssen uns mit der wissenschaftlichen Datenlage auseinandersetzen. Nur so wird unser Tun von der Zahnmedizin respektiert werden“, so Andreas Kunz. Bogna Stawarczyk ging u.a. auf die verschiedenen Befestigungsmaterialien und deren chemische Bindung zu Zirkonoxid ein. Saure Monomere, welche mit Phosphatgruppen modifiziert sind sowie auch das bekannte MPD-Monomer können chemisch an das Zirkonoxid andocken. Grundsätzlich beinhalten alle selbstadhäsive Befestigungskomposite diese sauren Monomere. Bei konventionellen Befestigungsmaterialien wird zusätzlich Zwischenverbinder – Silane oder Primer –, welche die sauren Gruppen enthalten, benötigt. Die Referentin warnte: „Vorsicht: Wir müssen darauf schauen, woraus die Silane und Primer bestehen.“ Silane mit MPS-Gruppen binden gut an Glaskeramik und erhöhen die Benetzbarkeit am Zirkonoxid. Aber nur Silane mit MPD-haltigen oder phosphatmodifizierten Monomeren haften chemisch am Zirkonoxid. Bei einer Verwechslung können die Materialien im schlimmsten Fall als Isolator wirken!

Materialkunde: Zirkonoxid

Weiteres interessantes Thema war das Zirkonoxid. Zirkonoxid ist nicht Zirkonoxid! Auch wenn das Material oft vom gleichem Rohstoff-Lieferanten kommt, können sich die Qualitäten durch die Press- und Sinterparameter unterscheiden. „Oft sind die Sinterparameter fest in den Sinteröfen integriert und dem Anwender nicht bekannt“ kritisierte Andreas Kunz. „Und gerade bei der 1. und 2. Generation von Zirkonoxid können die optischen aber auch die mechanischen Eigenschaften von Zirkonoxid stark beeinflusst werden“, betonte PD Dr. Stawarczyk.

Festsitzende Prothetik

Fehmer (3 von 1)ZTM Vincent Fehmer und Dr. Stefan Hicklin sprachen über „Festsitzende Prothetik: Evidenzbasierte Konzepte“. Klare Aussage: Goldstandard sei nach wie vor die VMK-Technik. Daran müssen sich die vollkeramischen Konzepte messen können. Hauptproblematik sei die Verblendkeramik, deren Lösung in monolithischen Konzepten münden könnte. Allerdings seien diese noch nicht evidenzbasiert. „Viel deutet darauf hin, dass die monolithische Versorgung funktionieren kann, wenn die Verarbeitungsparameter eingehalten werden“, so Vincent Fehmer.

 

 

Implantat-Abutments

Gehrke_Fsicher (3 von 1)ZT Carsten Fischer und Dr. Peter Gehrke referierten über die Reinigung und Hygiene von implantatprothetischen Bauteilen. Abutments sind definitionsgemäß Medizinprodukte und werden gemäß RKI-Richtlinien als semikritisch oder kritisch eingestuft. Es sei jedoch nachgewiesen, dass es auf Implantataufbauten Verunreinigungen geben kann, die ein langzeitstabiles Ergebnis in Frage stellen. Für das Behandlungsteam bedeutet dies, dass alle Implantatbauteile nach einem professionellen Protokoll gereinigt werden sollten. Das reine Abdampfen oder die Reinigung mittels Alkohol erfülle diese Ansprüche nur unzureichend. Die Referenten stellten ein validiertes Reinigungsprotokoll vor, das zu einer sauberen und hygienisch einwandfreien Abutmentoberfläche führt. Diskussion löste die brisante Frage aus, ob das individuelle implantatprothetische Bauteil im Labor sterilisiert werden müsse und wenn ja, was geschieht bei der Behandlung im Autoklaven mit der verklebten Zirkonoxidkappe. Laut Peter Gehrke bestehe die Gefahr, dass das Material dadurch degradiert werden könne.

Fazit

Ein Statement für die Zahntechnik! Der Expertise-Zahntechnik Kongress folgte einem roten Faden und erzählte eine Geschichte, die zur Realität werden kann: Eine auf wissenschaftlichen Fakten basierte und eine auf rechtlichem Terrain abgesicherten Zahntechnik mit Patientenkontakt. Das in sich geschlossene Programm zeigte den Laboralltag mit vielen Facetten – Eine zeitgemäße Zahntechnik, die handwerkliche Aspekte mit digitalen Hilfsmitteln vereint, ohne bewährte Werte aus den Augen zu verlieren.

Annett Kieschnick, Fachjournalistin

(der vollständige Kongressbericht ist demnächst in der DZW oder auf www.dentaletexte.de zu lesen)