Video on demand: Der virtuelle Patient (Teil 1)

TEAM-Talk – BASIC „Virtueller Patient“ mit Christian Leonhardt

In der Zahnmedizin bilden statische Datensätze die Grundlage vieler digitaler Workflows. Im TEAM-Talk – BASIC „Virtueller Patient“ zeigte Dr. Christian Leonhardt, welche zusätzlichen Informationen dynamische Patientendaten liefern können und was sich daraus für Diagnostik, Planung und die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor ableiten lässt. Die Aufzeichnung steht hier als Video-on-Demand zur Verfügung.

Der digitale Workflow in der Prothetik entwickelt sich rasant. Intraoralscans, Gesichtsscans und virtuelle Artikulatoren gehören zum Alltag. Gleichzeitig wird immer deutlicher: Der Mensch ist mehr als ein statischer Datensatz. Bewegung, Funktion und individuelle Dynamik spielen für viele prothetische Versorgungen eine entscheidende Rolle. 

Der TEAM-Talk – BASIC „Virtueller Patient“ mit Christian Leonhardt hatte die zentrale Frage: Reichen statische Datensätze aus, um komplexe prothetische Rehabilitationen zuverlässig zu planen? Die Antwort des Abends war differenziert: Jein. Die Aufzeichnung des TEAM-Talks steht hier bereit.

Take aways:

Vom statischen Kontakt zum Bewegungsraum

Die statische Okklusion zeigt, wo Kontakte bestehen. Dynamische Daten können zusätzlich sichtbar machen, wann und auf welchem Bewegungsweg diese Kontakte entstehen. Beim Jaw Tracking werden reale Bewegungen des Unterkiefers aufgezeichnet und mit digitalen Modellen verknüpft. So lässt sich beispielsweise untersuchen, welcher funktionelle Raum beim Kauen, Sprechen oder Schlucken benötigt wird. Besonders interessant wird das bei Fällen, in denen sich wiederkehrende Frakturen oder Abnutzungsmuster mit der statischen Situation allein nicht schlüssig erklären lassen. 

Take aways:

„Form follows function“

Ein zentraler Gedanke des BASIC-Talks „Virtueller Patient“ war die Frage, wie stark sich eine geplante Zahnform an der individuellen Funktion orientieren sollte. Christian Leonhardt fasste diesen Ansatz mit „Form follows function“ zusammen: Die geplante Morphologie sollte nicht losgelöst vom tatsächlichen Bewegungsraum des Patienten betrachtet werden. Wird dieser bei einem Wax-up oder einer Rekonstruktion nicht berücksichtigt, können Interferenzen entstehen, die in der rein statischen Planung nicht erkennbar waren. Damit verschiebt sich die Perspektive: Nicht allein eine idealisierte Zahnform oder ein vorgegebenes Führungskonzept bestimmen die Gestaltung. Auch die individuelle Dynamik setzt Grenzen.

Take aways:

Virtueller Patient: mehr als ein einzelnes System

Jaw-Tracking-Systeme wie ModJaw können Bewegungsdaten erfassen und mit weiteren digitalen Informationen verbinden. Dazu gehören intraorale Scans, Gesichtsreferenzen und – je nach Workflow – auch DVT-Datensätze. Der virtuelle Patient entsteht damit nicht durch ein einzelnes Gerät. Entscheidend ist vielmehr, unterschiedliche Informationen sinnvoll zusammenzuführen und für die jeweilige Fragestellung zu interpretieren. Die reine Datenerfassung ist also noch keine Diagnostik. Ihr Wert entsteht erst dort, wo zusätzliche Informationen tatsächlich helfen, Risiken besser einzuschätzen oder eine Planung zu überprüfen.

Take aways:

Schnittstelle zwischen Praxis und Labor

Eine weitere Frage des TEAM-Talk – BASIC: Was passiert mit den erhobenen Daten? Gerade bei dynamischen Datensätzen wird die Schnittstelle zwischen Zahnmedizin und Zahntechnik entscheidend. Datenaufnahme, Übertragung und Nutzung in der Konstruktion sind drei unterschiedliche Schritte. Erst wenn Bewegungsinformationen in die Planung einfließen, lässt sich beispielsweise erkennen, ob ein digitales Wax-up in einen individuellen Bewegungsraum hineinragt. Für Praxis und Labor bedeutet das: Nicht möglichst viele Daten sind das Ziel, sondern die richtigen Informationen in einer Form, mit der beide Seiten arbeiten können.

Take aways:

Erst analysieren, dann planen

Die vielleicht pragmatischste Botschaft des Abends lautete: Nicht zu schnell in die Lösung gehen. Vor einer Rekonstruktion steht die Analyse. Welche Informationen liegen bereits vor? Welche funktionellen Auffälligkeiten gibt es? Wie lassen sich Frakturen oder Abnutzungsmuster erklären? Und fehlen möglicherweise Daten, die für die Risikoeinschätzung relevant wären? Im TEAM-Talk wurde dieser Ansatz als Risikomanagement vor der eigentlichen Behandlung beschrieben. Statische Okklusion bleibt dabei Teil der Diagnostik – wird aber um die Betrachtung der individuellen Dynamik ergänzt. 

Take aways:

Zusammengefasst

Der virtuelle Patient bedeutet nicht einfach „mehr digital“. Der eigentliche Mehrwert liegt darin, Informationen sichtbar zu machen, die in statischen Datensätzen fehlen, und sie so zu nutzen, dass Planung und funktionelle Realität besser zusammenpassen. 

Wer den TEAM-Talk – BASIC verpasst hat oder einzelne Inhalte noch einmal nachvollziehen möchte: Die Aufzeichnung steht hier als Video-on-Demand zur Verfügung.

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