TEAM-Talk „Zirkonoxid“: Die Kernaussagen

TEAM-Talk „Zirkonoxid“: Die Kernaussagen

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Zirkonoxid

Zirkonoxid stand am 15. Dezember 2021 im Fokus beim zweiten TEAM-Talk des EADT e.V. Das neue interaktive Online-Format dient dem gezielten Wissensaustausch. Hierbei lebt der TEAM-Talk vom Mitmach-Prinzip. Die Teilnehmenden sind Zuhörer und Mitmacher zugleich. Moderiert wird der kurzweilige Online-Talk von Carsten Fischer.

Zirkonoxid: Fragestellung und Fazit

Im Fokus des zweiten TEAM-Talks standen drei zentrale Fragestellungen rund um das Thema „Zirkonoxid“, die zusammen mit den Teilnehmenden besprochen und diskutiert wurden. Einige der Kernaussagen fassen wir hier zum Nachlesen zusammen. Vielfach finden Sie weiterführende Verlinkungen zu entsprechenden Artikeln auf unserer EADT-Website. Diese enthalten entsprechende Literaturverweise zu wissenschaftlichen Untersuchungen und Publikationen.

Ausgebucht! Einblick in den zweiten TEAM-Talk.

Stichwort Bearbeitung: Top 3 der Fehlerquellen in Dentallabor und Zahnarztpraxis

Grundsätzlich ist Zirkonoxid nicht gleich Zirkonoxid. Heute blicken wir mittlerweile auf vier Generationen zurück, die sich in Bezug auf die mechanischen und optischen Eigenschaften unterscheiden. Die ersten zwei Generationen sind tetragonal stabilisierte Zirkonoxide (3Y-TZP). Diese weisen die höchsten mechanischen Eigenschaften auf und werden häufig für verblendete Zirkonoxidgerüste eingesetzt. Die 3. und 4. Generation sind kubisch/tetragonale Gemische. Durch die kubische Phase im Gefüge wirkt das Zirkonoxid ästhetischer und transluzenter, allerdings sind die mechanischen Eigenschaften deutlich geringer. Die kubisch tetragonalen Zirkonoxide werden meistens für monolithische Restaurationen eingesetzt. Hier kann durch Microlayering die Restauration mit keramischen Massen weiter individualisiert werden.

Auf den Punkt gebracht: Zirkonoxid ≠ Zirkonoxid

  • Es ist immer eine fallspezifische Entscheidung für das jeweils optimale Zirkonoxid zu treffen.
  • Informationen über Werkstoffkennwerte sind wichtig für die korrekte Verarbeitung und Anwendung.
Zirkonoxid-Generationen im Überblick

Provisorische Befestigung von Zirkonoxid-Restaurationen

Durch eine adäquate Planung und Umsetzung der zahnärztlichen Behandlung (z. B. Kieferrelationsbestimmung, Gerüsteinprobe/Rohbrandeinprobe) kann eine provisorische Befestigung von Zirkonoxid-Restaurationen meist vermieden werden. Eine provisorische Befestigung oder instabile Fixierung können zu einer möglichen Rissinduktion und somit zur Schwächung der Restauration führen. Dennoch wäre eine provisorische Befestigung aufgrund der höheren mechanischen Eigenschaften oftmals möglich. Insbesondere bei „schwierigen“ Patientenfällen ist eine kurze Phase der Austestung, eine sogenannte Probefahrt, hilfreich.

Auf den Punkt gebracht: Provisorische Befestigung ist theoretisch möglich.

  • Die Entscheidung ist mit Vorsicht zu treffen, da verschiedene Aspekte die Qualität der Restauration beeinflussen können.
  • Wenn möglich, ist eine provisorische Tragezeit zu vermeiden.

Abrasionen auf minimal beschichteten Versorgungen

In-vitro Studien berichten von einer schnellen Abrasion der keramischen Massen (Microlayering) an den Kontaktstellen in der Abhängigkeit des Antagonistenmaterials. Auch im klinischen Alltag sind Abrasionen an den Kontaktstellen zum Antagonisten zu beobachten. Deshalb ist auf eine glatte Oberfläche der Zirkonoxid-Restauration vor der Beschichtung zu achten.

Auf den Punkt gebracht: Die Abrasionsbeständigkeit ist abhängig von der Oberfläche und dem Antagonistenmaterial.

  • Wichtig ist immer das Generieren einer glatten Oberfläche.

Korundstrahlen von Zirkonoxid

Korundstrahlen schädigt die Oberfläche von Zirkonoxid. Sandstrahlen mit 50 µm Aluminiumoxid und einem geringen Druck von maximal 0,5 bis 1 bar kann zur Reinigung und zur besseren Benetzbarkeit der Oberfläche eingesetzt werden.

Auf den Punkt gebracht: Korundstrahlen mit geringem Druck ist möglich.

  • Vorgaben der Hersteller beachten!

Stichwort Ästhetik: Vollverblendung oder besser Microlayering?

Monolithische Versorgungen aus keramischen Werkstoffen werden immer mehr nachgefragt. Aus wirtschaftlicher und technischer Sicht stellt sich die Frage, ob keramische Verblendungen noch zeitgemäß sind bzw. ob die Zeit von keramischen Verblendungen am Ende ist. Aus Sicht der Wissenschaft gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen werden die Stabilität der unterschiedlichen keramischen Werkstoffe und deren Indikationen sowie deren ästhetische und lichtoptische Eigenschaften in unterschiedlichen Mundsituationen diskutiert. Zum anderen stellen Frakturen (Chipping) die häufigsten Komplikationen von keramisch verblendeten Versorgungen dar.

Monolithische Restaurationen aus keramischen Werkstoffen bieten gute Lösungsansätze. Verschiedene Generationen von Zirkonoxid lassen unterschiedliche Möglichkeiten der Finalisierung zu. Auf die Indikationsempfehlung der Hersteller, in Hinblick auf die Generation von Zirkonoxid, ist zu achten. Auch Materialstärke und Voreinfärbung des Zirkonoxids beeinflussen die lichtoptische Wirkung. Monolithische Restaurationen stoßen im Frontzahngebiet oder bei schwierigen Mundsituationen oftmals an ihre ästhetischen Grenzen. Der ästhetische und funktionelle Erfolg hängt somit von vielen Faktoren ab. Die keramische Verblendung oder besser gesagt das „Beschichtungs-Konzept“ muss wirtschaftlich und technologisch ausgerichtet sein. Bemalt, verblendet oder minimal beschichtet sind die unterschiedlichen Ansätze, um keramische Materialien an die Mundsituation der Patienten anzupassen. Der Zeitaufwand für die Verblendung oder das Bemalen der keramischen Restauration ist ein wichtiger Baustein in der Wertschöpfungskette. Eine Alternative zum „bemalen/glasieren“ oder zur klassischen „Vollverblendung“ ist die „Microlayer-Technology“ mit einer minimalen Beschichtung von Verblendkeramik. Hier wird eine dünne (0,2 mm-0,4 mm) Keramikschicht aufgetragen.

Auf den Punkt gebracht: Je nach Art der Finalisierung kann die Abrasionsbeständigkeit variieren.

  • Microlayering = Dünnschichtverblendung (0,2 mm bis 0,4 mm)
  • Maltechnik = Bemalen und Glasieren einer monolithischen Restauration.

Stichwort Hybridzirkonoxid: Was können wir von der Zukunft erwarten?

Hybridzirkonoxide sind Gemische aus mehreren Generationen. Hier werden innerhalb eines Rohlings die Stabilität im unteren Bereich und Transluzenz im okklusalen Bereich des Rohlings vereint. So werden für die Stabilitäten meist 3Y-TZP-Materialien gewählt, während für die Ästhetik die kubischen (4Y-TZP bzw. 5Y-TZP) Zirkonoxide dienen. Auch eine Kombination zwischen den kubisch/tetragonalen Materialien ist möglich, wobei okklusal stets die transluzente Variante positioniert ist. Bei diesen Hybridzirkonoxiden ist die perfekte Positionierung der Restauration im Rohling in Bezug auf die Stabilität entscheidend. Zum heutigen Zeitpunkt liegen bereits einzelne In-vitro-Untersuchungen vor, allerdings ist die wissenschaftliche Datenlage immer noch sehr dünn.

Auf den Punkt gebracht: Hybridzirkonoxide sind fein abgestimmte Gemische unterschiedlicher Zirkonoxidgenerationen.

  • Positionierung im Rohling beachten!

Werkstoffkunde-Kompendium „Zirkonoxid“

Profundes Wissen rund um moderne Zirkonoxide ist im Werkstoffkunde-Kompendium „Zirkonoxid“ ansprechend zusammengefasst. Die Highlights sind die kompakte Textdarstellung mit animierten Grafiken, weiterführenden Informationen, Videos und Bildgalerien. Zudem ergänzt ein umfangreiches Glossar das iBook. In einem Produkt-Supplement werden die Produkte verschiedener Hersteller mit entsprechenden Werkstoffkunde-Informationen vorgestellt.

  • Das Werkstoffkunde-Kompendium „Zirkonoxid“ ist kostenfrei für EADT-Mitglieder verfügbar.